Körperwahrnehmung und Medien

Filme, Serien, TV und Social Media verbreiten konstant und täglich Schönheitsstandards, wodurch die gesellschaftliche Bedeutung körperlicher Attraktivität verstärkt wird. Dies erhöht den gesellschaftlichen Druck auf Frauen und Männer, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Unsere Körperwahrnehmung und unsere Zufriedenheit mit dem eigenen Körper können darunter mitunter stark leiden.

Inhaltsverzeichnis

Der moderne Körperkult und seine Auswirkungen auf unsere Körperwahrnehmung

Wir begleiten Patrick Bateman durch seine alltägliche Morgenroutine: Der 27-Jährige, der im elften Stock eines New Yorker Hochhauses wohnt, hält sich mit einer ausgewogenen Diät und einem strengen Trainingsprogramm in Form. Um seine geschwollenen Augen abzuschwellen, trägt er während seiner morgendlichen Sit-ups eine Eismaske. Unter der Dusche verwendet er ein Tiefenwirkungsgel, ein wasseraktives Reinigungsgel und ein Honig-Mandel-Körperpeeling, bevor er vor dem Badezimmerspiegel seine Pflegeroutine mit einer Kräuter-Minz-Maske abschließt. Während er sein restliches Pflegeprogramm vorbereitet – alkoholfreie After-Shave-Lotion, Feuchtigkeitscreme, Anti-Falten-Augenbalsam und feuchtigkeitsspendende Schutzlotion – lässt er die Maske einwirken.

Obwohl bereits im Jahr 2000 erschienen, trifft die Sequenz aus Mary Harrons Film American Psycho den Kern der auch heute noch bestehenden, individuellen sowie gesellschaftlichen Obsession mit dem Körper. Der Körper ist zum Projekt geworden, seine kontinuierliche Optimierung zur Pflicht. Dieser zeitgenössische Körpertrend hat dabei den gesellschaftlichen Druck auf Frauen und Männer, Jugendliche und Erwachsene erhöht. Und darunter kann unsere Körperwahrnehmung mitunter stark leiden.

Doch was genau versteht man eigentlich unter der Körperwahrnehmung? Wie steht sie in Bezug zum Körperbild und zur Zufriedenheit mit dem eigenen Körper? Und welche Rolle spielen Film, Serie, TV und Social Media in Bezug auf unser individuelle Körperwahrnehmung?

Körperkult und Körperoptimierung Bild von scottwebb auf pixabay
Projekt Körper: Die Kontinuierliche Optimierung des eigenen Körpers ist zur Pflicht geworden

Körperwahrnehmung – Was ist das?

Definition Körperwahrnehmung

Körperwahrnehmung bezeichnet die Fähigkeit einer Person, die eigenen körperlichen Dimensionen, Proportionen und Merkmale sensorisch wahrzunehmen und zu interpretieren. Sie umfasst damit auch, wie präzise oder verzerrt jemand seinen Körper empfindet, sprich ob man den eigenen Körper vielleicht als zu dick oder zu dünn wahrnimmt.

Die eigene Körperwahrnehmung kann dabei durch verschiedene Einflüsse geprägt sein. Zum einen kann sie auf objektiven Faktoren beruhen, wie zum Beispiel physiologischen Messungen oder der tatsächlichen Größe und Form des Körpers. Andererseits wird die Art und Weise, wie wir unseren Körper wahrnehmen, stark von psychologischen und emotionalen Faktoren beeinflusst. Das umfasst unter anderem persönliche Erfahrungen, Erziehung, soziale Normen, kulturelle Einflüsse sowie emotionale Zustände wie Selbstwertgefühl und Stimmungslage. Diese Faktoren können dazu führen, dass eine Person ihren Körper anders wahrnimmt, als er tatsächlich ist.

Körperwahrnehmung, Körperbild und Körperzufriedenheit

Gerade im medizinischen und psychologischen Kontext wird der Begriff Körperwahrnehmung häufig im Zusammenhang mit den Begriffen Körperbild und Körperzufriedenheit verwendet. Alle drei Begriffe sind dabei grundlegende Konzepte, die unser Verständnis darüber, wie wir uns selbst und unseren Körper erleben, prägen.

  • Körperwahrnehmung: Körperwahrnehmung bezeichnet die sensorische Erfassung und Interpretation der eigenen körperlichen Merkmale und Dimensionen. Es umfasst die Präzision oder Verzerrung, mit der eine Person ihren eigenen Körper wahrnimmt, beeinflusst durch psychologische, emotionale und soziale Faktoren.
  • Körperbild: Das Körperbild umfasst die Gesamtheit der kognitiven, affektiven und verhaltensbezogenen Vorstellungen einer Person über ihren eigenen Körper. Es beinhaltet, wie jemand seinen Körper wahrnimmt, bewertet und interpretiert. Das Körperbild kann positiv oder negativ sein und wird stark von individuellen Erfahrungen und gesellschaftlichen Normen geprägt.
  • Körperzufriedenheit: Die Körperzufriedenheit beschreibt das Ausmaß, in dem eine Person mit ihrem eigenen Körper zufrieden ist. Sie reflektiert die subjektive Bewertung und Akzeptanz des eigenen Körpers und wird durch die Körperwahrnehmung und das Körperbild beeinflusst. Faktoren wie Selbstwertgefühl, soziale Vergleiche und kulturelle Ideale spielen eine wesentliche Rolle.

Körperwahrnehmung, Körperbild und Körperzufriedenheit sind also miteinander verbunden, stellen aber unterschiedliche Facetten des Körpererlebens dar: Während Körperwahrnehmung die sensorische Erfassung betrifft, reflektiert das Körperbild die kognitive und emotionale Bewertung, und die Körperzufriedenheit spiegelt die persönliche Einstellung und Akzeptanz des eigenen Körpers wider.

Körperwahrnehmung, Körperbild und Körperzufriedenheit von Dr. Laura Fazio
Körperwahrnehmung, Körperbild und Körperzufriedenheit - 3 Definitionen

Körperunzufriedenheit und Störungen der Körperwahrnehmung

Körperzufriedenheit und Körperwahrnehmung sind in Psychologie, klinischer Praxis und Forschung bereits seit langem geläufige Begriffe. Dabei konzentriert sich ein Großteil des Forschungsfundus auf Körperbildstörungen. Diese Störungen des Körperbildes können sich vielfältig äußern, z.B. in Form von Körperwahrnehmungs- bzw. Körperzufriedenheitsstörungen.

Eine gestörte Körperwahrnehmung bedeutet, dass eine Person Schwierigkeiten hat, die Dimensionen und Proportionen ihres eigenen Körpers korrekt einzuschätzen. Es kann dabei grundsätzlich zu einer gestörten Körperwahrnehmung kommen, bei der man sich entweder ‚zu dick‘ oder ‚zu dünn‘ fühlt. Bei essgestörten Patientinnen und auch bei vielen gesunden Frauen zeigt sich meist eine Körperwahrnehmung im Sinne von ‚zu dick‘. Bei gesunden Männern hingegen besteht oft die Neigung, sich als ‚zu dünn‘ oder ’nicht muskulös genug‘ zu sehen. Besonders auffällig ist diese Art der gestörten Körperwahrnehmung bei männlichen Bodybuildern, die unter einer sogenannten ‚umgekehrten Anorexie‘ oder später ‚körperdysmorphen Störung‘ leiden. Hierbei empfinden sie sich als weniger muskulös und schmächtiger, als sie in Wirklichkeit sind.

Eine gestörte Körperzufriedenheit liegt dann vor, wenn eine Person mit ihrem Körper, sei er akkurat oder verändert wahrgenommen, nicht zufrieden ist. Dies kann stark variieren und ist ebenfalls besonders ausgeprägt bei Patientinnen mit Essstörungen, aber auch in geringerem Maße in der Normalbevölkerung feststellbar.

Körperwahrnehmung und Essstörung

Störung der Körperwahrnehmung als Folge und Mitverursacher von Essstörungen

Störungen im Körperbild wie Körperwahrnehmungs-Störungen und Körperunzufriedenheit spielen eine bedeutende Rolle bei Essstörungen und sind nicht nur eine Folge, sondern auch ein Mitverursacher der Erkrankung. Diese Störungen können zu einzelnen Symptomen oder sogar zur Entwicklung einer vollständigen Essstörung führen. Darüber hinaus beeinflussen sie den Krankheitsverlauf und können als aufrechterhaltender Faktor wirken.

So kann Körperunzufriedenheit, insbesondere das Gefühl, „zu dick“ zu sein, direkt zu Diätverhalten führen. Diese Diäten werden oft als Methode zur Gewichtskontrolle eingesetzt, was in extremen Fällen bis zur Anorexie führen kann. Hierbei treten Symptome wie übermäßiges Essverhalten und die mögliche Entwicklung einer Bulimie auf. Der positive Verstärkungsmechanismus spielt hierbei eine Rolle, da das veränderte Essverhalten als erfolgreiche Kontrolle des Körpergewichts erlebt wird.

Ein alternativer Weg ist der sogenannte „negative affect regulation pathway“. Hier beeinflusst das Körperempfinden das Selbstwertgefühl erheblich. Eine große Unzufriedenheit mit dem Körper kann zu niedrigem Selbstwertgefühl führen, was wiederum zu Spannungszuständen führt. Einige Personen reagieren darauf mit Essattacken, um sich zu beruhigen oder abzulenken. In einigen Fällen kann dies zu bulimischen Verhaltensweisen wie Erbrechen führen, um eine befürchtete Gewichtszunahme zu vermeiden.

Auch Adipositas wird stark von Körperwahrnehmung und Körperunzufriedenheit beeinflusst. Menschen, die ihren Körper als zu dick wahrnehmen, können in einen Teufelskreis aus emotionalem Essen und weiteren Gewichtszunahmen geraten. Körperunzufriedenheit kann hier zu übermäßigem Essen als Bewältigungsmechanismus führen, was zu einer weiteren Verschlechterung des Körperbildes und des Selbstwertgefühls beiträgt. Bei Adipositas ist es daher besonders wichtig, die zugrunde liegenden psychologischen Faktoren zu berücksichtigen und nicht nur das Essverhalten isoliert zu betrachten.

Stärkung der Körperwahrnehmung bei Essstörungen

Es wird angenommen, dass die Behandlung von Essstörungen oft nicht nachhaltig erfolgreich ist und das dies möglicherweise auch an den komplexen Einflüssen von Körperbild, Wahrnehmung und Zufriedenheit liegt. Vor allem können persistierende Körperbildstörungen trotz Gewichtszunahme bei Anorexie- und Bulimie-Patientinnen ein erhöhtes Rückfallrisiko anzeigen. Entsprechend könnten gezielte Körperbildtherapie dabei helfen erfolgreichere Behandlungsergebnisse bei Essstörungen zu erzielen.

Im Rahmen solcher Therapien erlernen die Patient*innen Techniken zur Identifikation und Veränderung körperwahrnehmungsschädigender Gedanken sowie zum Abbau von körperbezogenem Vermeidungs- und Kontrollverhalten in alltagsrelevanten Situationen. Dabei wird auch kritisch das in der Gesellschaft vorherrschende Schlankheitsideal reflektiert und eine individuelle ‚Körperbild-Geschichte‘ entwickelt. Auch werden positive körperbezogene Aktivitäten gefördert, um das Selbstwertgefühl zu stärken. Häufig sind außerdem auch Körperwahrnehmungs-Übungen, in denen Patient*innen die bewusste Wahrnehmung des eigenen Körpers mittels Spiegel- und Videoaufnahmen erlernen, um sowohl negative als auch positive Körperteile gezielt zu fokussieren, Bestandteil dieser Körperbildtherapien für essgestörte Patient*innen.

Störungen der Körperwahrnehmung und Körperunzufriedenheit spielen eine bedeutende Rolle bei Essstörungen und sind oftmals nicht nur eine Folge, sondern auch Mitverursacher der Erkrankung.

Körperunzufriedenheit bei gesunden Menschen

Anorexie, Bulimie und Adipositas stellen krankhafte Formen der Störung von Körperwahrnehmung und Essverhalten dar. Aber auch bei Menschen, die objektiv betrachtet als gesund gelten, spielen Körperwahrnehmung und Körperbild eine wesentliche Rolle. Besonders Frauen und noch häufiger junge Frauen, sind oftmals mit dem eigenen Körper unzufrieden und leiden stärker unter dem Schönheits- und damit auch Schlankheitsdruck als Männer. So ist belegt, dass sich Frauen und Mädchen häufiger zu dick fühlen und auch häufiger Diät halten als Männer und Jungen, und das, obwohl die beiden letzteren im Durchschnitt einen höheren BMI haben. Woher aber rühren diese auch unter Gesunden weit verbreiteten Probleme mit der eigenen Körperwahrnehmung?

Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst einmal verstehen, wie unsere Körperwahrnehmung beeinflusst wird. In diesem Kontext fanden die Wissenschaftler Stice und Whitenton heraus, dass es bestimmte Faktoren gibt, die signifikant mit body dissatisfaction, also einer Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, in Verbindung stehen, darunter:

  1. Der gefühlte Druck, dünn sein zu müssen
  2. Ein erhöhter BMI (Body Mass Index)
  3. Ein internalisiertes Schlankheitsideal und
  4. Mangelnde Unterstützung aus dem sozialen Umfeld

Der von außen ausgeübte Druck, dünn sein zu müssen, war dabei der stärkste Vorhersagefaktor für die Entwicklung von Körperunzufriedenheit. Jugendliche Mädchen, die diesem Druck ausgesetzt waren, hatten ein viermal höheres Risiko, eine Körperunzufriedenheit zu entwickeln. Der BMI erwies sich als der zweitstärkste Prädiktor.

Besonders der gefühlte Druck, dünn sein zu müssen und das internalisierten Schlankheitsideal stehen dabei in engem Zusammenhang mit den Medien und den Körpern, die wir in Filmen, Serien und auf Social Media sehen.

Hinweis: Unsere Körperwahrnehmung wird durch mediale Einflüsse geprägt und oft verzerrt. Dennoch ist es nicht sinnvoll, die Medien als Bösewicht und alleinigen Grund für Probleme mit der Körperwahrnehmung darzustellen. Vielmehr ist das Verhältnis zwischen Medien und gesellschaftlichen Körperidealen stets ein wechselseitiges.

Körperwahrnehmung und Medien

Einfluss der Medien auf Körperwahrnehmung, Körperbild und Körperzufriedenheit

Der Medienwissenschaftler Christian Schemer hat aus zahlreichen Studienergebnissen zu den Effekten des Medienkonsums auf Individuen insgesamt sechs negative Wirkungen auf, die Medienakteure bei (vornehmlich weiblichen) Rezipienten zur Folge haben können:

  • verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers als zu dick
  • geringere Zufriedenheit mit dem eigenen Körper
  • negative Gefühle wie Schuld, Scham oder depressive Stimmung
  • geringere Einschätzung der eigenen Attraktivität
  • geringeres körperbezogenes Selbstwertgefühl
  • ausgeprägtes Schlankheitsbedürfnis

Es ist somit wissenschaftlich erwiesen, dass Medien einen Einfluss auf Körperbild, Körperwahrnehmung und Körperzufriedenheit haben. Medienangebote verbreiten konstant und täglich Attraktivitätsstandards, wodurch die gesellschaftliche Bedeutung körperlicher Attraktivität verstärkt und automatisch zum Bewertungsmaßstab wird. Dies erhöht den gesellschaftlichen Druck auf Frauen und Männer gleichermaßen. Das Schlankheitsideal bildet dabei keine Ausnahme: Schon im Kinderfernsehen wird der dünne und fitte Körper zur Norm erhoben. Ein Beispiel dafür ist die visuelle Überarbeitung der Serienfigur Biene Maja. Während das Erscheinungsbild dieser deutschen Zeichentrickfigur lange Zeit von einem großen Kopf, runden Augen und einem pummeligen Körper bestimmt war, wurde die animierte Serienfigur im ZDF-3D-Remake von 2013 deutlich schlanker gestaltet.

Der perfekte Körper: Schönheit, Gewicht und Gewichtsverlust in den Medien

Deborah Harris-Moore beobachtet in Media and the Rhetoric of Body Perfection außerdem eine regelrechte Explosion von Medieninhalten, die sich mit Schönheit, Gewicht und Gewichtsverlust auseinandersetzen. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen dem Aufkommen dieser Medieninhalte und dem stetigen Wachstum der Schönheitsindustrie. Produkte, Operationen und Mittel zur Perfektionierung des eigenen Körpers werden immer zugänglicher und bezahlbarer. Gleichzeitig erinnern uns fiktionale Filme und Serien wie Nip/Tuck, sowie Reality Shows wie The Biggest Loser daran, dass der Körper immer schöner und schlanker werden muss. Diese Kombination hat die Transformation des Körpers zu einem sozialen und moralischen Imperativ gemacht.

Mediale Verschiebung von Körpernormen

Mediale Darstellungen tendieren ferner dazu, kulturelle Schönheitskonzepte zu überformen, um höhere Aufmerksamkeit zu erlangen. Dies gilt auch für den Gewichtsaspekt. Angelika Rehschütz hebt hervor, dass das Schlankheitsideal in den Massenmedien so extrem vorherrschend ist, dass schon normalgewichtige Menschen als „fett“ gesehen werden. Diese mediale Normverschiebung in Bezug auf Gewicht wird durch verschiedene empirische Untersuchungen belegt. Dabei wird dieses Schlankheitsideal in den Medien nicht nur durch die bestehende Schere zwischen dicken und dünnen Körpern etabliert, sondern auch durch die unterschiedliche Repräsentation dieser beiden Körpertypen. Attraktive Bilder von erfolgreichen, dünnen Frauen werden als Ideale dargestellt, die nachgeahmt werden sollen. Gleichzeitig werden übergewichtige und adipöse Charaktere stigmatisiert, was das Schlankheitsideal weiter verstärkt.

Kein Wunder also, dass unsere Körperwahrnehmung leidet.

Körperwahrnehmung fördern

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Körperwahrnehmung verbessern und negativen Medienwirkungen entgegenarbeiten

Bleibt die Frage offen, wie diesen negativen Medienwirkungen entgegengearbeitet und damit eine Verbesserung der Körperwahrnehmung herbeigeführt werden kann.

Laut dem Medienwissenschaftler Christian Schemer liegt ein Ansatzpunkt weniger in der Veränderung der Medieninhalte oder in einem Ruf nach politischer Reglementierung, sondern vielmehr in der Vermittlung von Medienkompetenz: Wenn Frauen bewusst wird, dass das Aussehen attraktiver Medienprotagonisten künstlich ist – etwa durch Kosmetik, Beleuchtung oder Retuschierung – und dass die Körperform genetisch determiniert ist und nur bedingt durch Diäten oder chirurgische Eingriffe verändert werden kann, lassen sie sich weniger von Medien beeinflussen.

Gleichzeitig, möchte ich ergänzend hinzufügen, muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie offenkundig diskriminierend gerade mehrgewichtige Film- und Serienfiguren dargestellt werden. Daneben liefert die Medienlandschaft aber auch Lichtblicke: Es existieren durchaus alternative Darstellungen von weiblichen Gewichtsdarstellungen in den Medien, die Potenziale zur Förderung der Körperwahrnehmung für Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen aufweisen. Diese Darstellungen können die stigmatisierenden Darstellungsweisen Übergewichtiger umkehren und Raum für positive Medienwirkungen schaffen.

Nur durch eine solche umfassende und kritische Auseinandersetzung mit medialen Körperdarstellungen können wir gesellschaftlichen Normen hinterfragen und auch unsere eigene Körperwahrnehmung stärken.

Quellen:

Fazio, Laura: „(Ge)wichtige Körper Subversive Gewichtsdarstellungen in Lena Dunhams Girls und Mindy Kalings The Mindy Project.“ Marburg: Büchner, 2021.

Harris-Moore, Deborah. Media and the Rhetoric of Body Perfection. Cosmetic Surgery, Weight Loss and Beauty in Popular Culture, Farnham: Ashgate, 2014.

Harron, Mary Reg. American Psycho, US: Muse Productions, 2000, 100 Min.

Mohr, Andreas: “Veränderung von Körperwahrnehmung und Körperzufriedenheit im Verlauf einer stationären psychosomatischen Behandlung bei Patientinnen mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa“ Inauguraldissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Universität zu Lübeck (Medizinische Fakultät), Lübeck: 2010, URL: https://www.zhb.uni-luebeck.de/epubs/ediss988.pdf (Zuletzt aufgerufen am: 26.6.24)

Posch, Waltraud. Projekt Körper. Wie der Kult um die Schönheit unser Leben prägt, Frankfurt am Main: Campus, 2009.

Schemer, Christian. „Schlank und krank durch Medienschönheiten? Zur Wirkung attraktiver weiblicher Medienakteure auf das Körperbild von Frauen“ Medien & Kommunikationswissenschaft 51/3-4, 2003, 523–540.

Schemer, Christian. „Die Medien als heimliche Verführer? Der Einfluss attraktiver Medienpersonen auf das Körperbild von Rezipientinnen und Rezipienten“, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Letzter Zugriff am: 11.12.2015, https://​forum.sexualaufklaerung.de​/​index.php?docid=878.

Bilder: 

„Körperwahrnehmung“ copyright @pixabay (StockSnap)

„Projekt Körper“ copyright @unsplash (scottwebb)

„Medienwirkung“ copyright @pixabay (StockSnap)

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